So
07
Sep
2008
Borkum - Das einsame Paradies
Kiten vor dem SeehundstrandWind aus Nordwest, konstante 19 Knoten. Nur noch den Kite starten und schon geht‘s ab ins nasse Vergnügen. Auf dem Weg durch die kleine Kabbelwelle direkt vor der Station zum Buchtinneren wird das Wasser zunehmend ruhiger und plötzlich eröffnet sich sogar ein relativ großer stehtiefer Bereich.
Die Sonne scheint, das Wasser ist noch angenehm warm gegen Anfang September. Würde nicht der kristallklare türkisgrüne Schimmer fehlen, könnte man meinen in einem einsamen Südseeparadies zu sein, wo Kiten erst noch erfunden werden muss.
Die Realität sieht aber ganz anders aus: In nur einer Stunde mit der Fähre von Eemshaven bzw. knapp zwei Stunden von Emden aus ist dieses Kiteparadies erreichbar. Borkum ist die westlichste deutsche und mit 36 Quadratkilometern Größte der sieben ostfriesischen Inseln und einer der richtig guten Geheimtipps in der Kiteszene.
Der weitläufige ca. 20 km lange und mit viel Platz gesegnete Sandstrand bietet genügend Platz und Spots zum Wellenschlitzen. Die Bucht mit der riesigen Sandbank direkt bei der Surf- und Kiteschule offeriert die Möglichkeit, den Wind aus fast jeder Richtung sideshore zu nehmen.
Kiteschulbesitzer Martin Kalmbach bestätigt: “Hier musst du dir die relativ große Wasserfläche in der Bucht oft nicht mit mehr als maximal 5-10 Kitern teilen. Und wenn es doch mal eng wird, fährt man halt mal ein bißchen weiter raus und hat Platz ohne Ende.”
Lediglich zu den Seehundbänken am Buchtzipfel muss Abstand gehalten werden. Trotzdem kommt es durchaus vor, dass die Seehunde beim Kiten mit dir schwimmen und spielen oder den Anfängern beim Relaunch durch die Beine tauchen.
Einen ersten Eindruck von der Insel bekommt man schon auf der gut 7 km langen Fahrt vom Fähranleger bis ins Inseldorf. Die Borkumer Kleinbahn befördert schon seit 1899 die Ankömmlinge in nostalgischen und liebevoll restaurierten Waggons zu ihrer Unterkunft.
Von der Ferienwohnung über Pension bis Hotel ist alles möglich und muss für die Hauptsaison von Juni bis August schon früh gebucht werden. Auf dem Weg von der Stadtmitte zur Strandpromenade fallen die einladenden Straßencafés auf, die eine entspannte und angenehme Atmosphäre aufkommen lassen. Die Seekiste als kleine Hafenkneipe versprüht den leichten Charme von Matrosen- und Piratenflair.
Von der Strandpromenade aus lässt sich der Standort der Windsurf- und Kitesurfschule am nordöstlichen Rand, unterhalb des Hotels Hohenzollern, schnell ausmachen. Martin ist sehr hilfsbereit und sucht das Gespräch mit jedem neuen Kiter, um Hinweise zu Geboten und Verhalten am Spot zu geben. Für den Notfall und bei ablandigem Wind gibt es ein Rettungsboot.
Allerdings hat vor allem der ablandige Wind aus östlichen bis nordöstlichen Richtungen seinen ganz besonderen Reiz: “Du bekommst hier einen Spot serviert wie Coche/Venezuela, nicht ganz so warm, aber viel besser, weil teilweise stehtief und vor allem leer. Das Wasser ist so glatt wie ein Bügelbrett und lädt zu akrobatischen Kunststücken ein.”
An windlosen Tagen sorgt der Flow-Rider im Gezeitenland wenigstens für ein Indoor-Surferlebnis. Wer lieber auf Entspannung und Erholung aus ist, findet im Gezeitenland das Wellnessdeck mit Panoramablick auf Strand, Promenade und Dünenlandschaft oder genießt die Ruhe und Einsamkeit der Strandsauna auf der anderen Inselseite. Das Alternativangebot ist in jedem Falle vielseitig und familienfreundlich.
Dass es auf Borkum neben dem Wassersport nicht langweilig zugeht hat Martin während seines Zivildienstes erkannt und schon damals bei Windsurfing-Borkum angeheuert. Nach Sportstudium und verschiedenen Stationen als Kitelehrer in Holland, Ägypten und Venezuela ist der verlorene Sohn zurückgekehrt, um seine Kiteuniversity zu errichten. Ganz zur Freude von Windsurfing-Borkum Chefin Brenda, die seitdem in den Pausen häufiger auf dem Kiteboard als auf dem Windsurfer anzutreffen ist. Martin genießt noch die letzten Augenblicke im Sonnenstuhl vor der Station bevor es gleich zur nächsten Kitestunde geht. Die Schüler freuen sich schon: Wind perfekt und viel, viel Platz ringsherum…
Gut zu wissen
Anreise:
Von Emden Außenhafen oder Eemshaven (NL) per Autofähre oder Katamaran.
130 min/ 60 min ab Emden. 60 min/ 30 min ab Eemshaven.
Unterkünfte:
Ferienwohnungen über die Kitesurfschule oder www.borkum.de
Strandhotel Hohenzollern liegt direkt am Spot.
Essen:
Kleine Möwe, Byl’s Fishuis und Fischerkate sind sehr gute Empfehlung für Fischgerichte.
Mediterane Küche gibt es im Valentins und Borkumer Spezialitäten für zwischendurch im Knurrhahn.
In der Brasserie gibt es alles von Hausmannskost bis Mediterran in legerer Borkumer-Atmosphäre.
Places to be/Nightlife:
Brasserie, Cesars (freier Hotspot), as Cruso. Besonderer Flair: Borkumer Teestübchen und Seekiste.
Wellness/Freizeit:
Gezeitenland mit Erlebnis-, Sauna- und Wellnessbereich.
Auto:
Auto kann man mitnehmen. Allerdings gibt es auf der Insel einige Autofreie Zonen und zeitliche Beschränkungen. Mit Fahrrad ist alles leicht und schnell erreichbar. Zudem günstiger.
Fahrradverleih gibt es an jeder Ecke.
Station:
Ansprechpartner sind die beiden Inhaber Brenda und Martin
Kurse nach Absprache, Storagemöglichkeiten und Rettungsboot vorhanden.
Internet:
Jörn Kappenstein